WWSC Frankfurt Newsblog Der Kanuverein in Rhein-Main

08/09/2016

Der WWSC-Mythos Hinterwildalpenbach (Hiwibach)

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Seit vielen Jahren schon rankt in unserem Verein WWSC Frankfurt ein Mythos um den Hinterwildalpenbach, der in Paddlerkreisen gerne auch kurz Hiwibach genannt wird.

Er ist ein Seitenbach der Steirischen Salza, in die er im beschaulichen Ort Wildalpen von der linken Seite her einmündet.

Schon bei meinem ersten Besuch des WWSCs im Jahre 1996 fragte mich ein (leider) ehemaliger Vereinskamerad: „Bist Du schon einmal den Hinterwildalpenbach gefahren?“ Meine Antwort war: „Nein“. Denn ich hatte bis dato noch nie etwas von diesem Bach gehört. Inzwischen sind wir alle 20 Jahre älter und der Hiwibach war noch unzählige Male Gesprächsstoff in unserem Verein. Aber noch nie habe ich jemanden im WWSC sagen hören, dass er den Hiwibach auch tatsächlich hinunter gepaddelt wäre. Angeschaut haben ihn sich wohl schon viele WWSC-ler. Ich habe viele Begründungen für die Nicht-Befahrung gehört: zu wenig Wasser, zu viel Wasser, unsaubere und siphonierte Stufen, herausgebrochene Kanten, Geäst oder schlicht und einfach, durchaus gerechtfertigter Respekt vor den vielen und teilweise recht hohen Stufen.

Nun hatten wir im Juli die erfreuliche Situation, bei fallendem Hochwasser, einige Tage in der Region zu sein und so hatten wir die Möglichkeit, den Hiwibach mehrfach zu befahren. Wir, das sind Phillip R., Marco S. und Gunter S. vom WWSC sowie einige andere Paddler, die wir vor Ort kennen gelernt haben.

Der Hiwibach hat auf einer Länge von ca. 1,5 km zwischen dem Standard-Einstieg (Brücke zur Sauna) und der Mündung sage und schreibe 76 künstliche Stufen, die in der Höhe zwischen ca. 30 cm und gut 2,5 m variieren.

Richtiges Wildwasser gibt es kaum, aber wer den Hiwibach fährt, sollte gut im Sattel sitzen und vor allem sicher boofen können. Die Ufer sind steil hochgemauert und wenn man eine Befahrung bei einem Wasserstand macht, der genügend Wasser unter dem Bootsboden lässt, um die Stufen ohne Kratzen zu befahren, dann sind einige der Stufen erstaunlich rückläufig.

Ein Hiwi-Crack hat uns daher eine bewährte Fahrtaktik erklärt, die für WW-Paddler zwar teilweise eher unüblich, aber beim Hiwibach durchaus angebracht ist:

  1. Immer geradeaus runter fahren. Keinesfalls drehen oder ohne echte Not ein Kehrwasser anfahren – es gibt ohnehin fast keine. Auch nicht weit umdrehen, um nach dem Hintermann zu schauen. Wer zwischen den Stufen sein Boot zu weit dreht, hängt mit großer Wahrscheinlichkeit in der nächsten Stufe quer im Rücklauf und wird Schwierigkeiten haben, dort mit Boot wieder heraus zu kommen.
  2. Zwischen den Stufen nicht zu schnell fahren, dafür vor den Kanten die letzten 2-3 Schläge beherzt ausführen und gezielt den Boofschlag setzen.
  3. Jeder muss sich seinen Weg selbst suchen und mit langem Hals fahren. Aufgrund des steilen Verlaufes verliert man den Vordermann leicht aus den Augen. Und den besten Weg durch die 76 Stufen kann sich sowieso kaum jemand merken und führen.
  4. Viele Stufen sind mittig an der Kante ausgebrochen. Dort bilden sich auch oft die stärksten Rückläufe. Die meisten Stufen kann man gut links neben dem Ausbruch boofen. Aber Achtung: Die höchste Stufe, erkennbar an einer Fischtreppe auf der linken Seite, sollte man nicht links befahren. Dort ergibt sich in der Ecke zur Fischtreppe ein böses Loch. Diese Stufe sollte man am besten mittig nehmen.
  5. Man kann weite Teile des Hiwibaches sehr gut von der direkt daneben verlaufenden Strasse besichtigen. Die Strecke ist kurz und man sollte die Möglichkeit der Besichtigung nutzen. Bei der Gelegenheit sieht man neben den Stufen auch, wo ggf. Holz im Weg liegen oder hängen könnte.
  6. Es ist von Vorteil, wenn Begleitpersonen an der Strasse neben her gehen, die einen Wurfsack und idealerweise auch eine Kamera mit sich führen.
  7. Wer doch mal schwimmt: Angeblich kann man fast überall im Hiwibach stehen, außer unmittelbar unter den Stufen. Wir haben es zum Glück nicht selbst ausprobiert, aber während unseres Aufenthaltes vor Ort haben wir von diversen Schwimmern gehört, die insbesondere die Tips 1 und 4 nicht beachtet haben.

Unsere Befahrungen des Hiwibaches dauerten ca. 8 Minuten, was sich anhand eines Helmkameravideos gut nachvollziehen lässt. Ebenso kann man auf dem Video die 76 Stufen zählen, was beim Paddeln nicht ganz so einfach ist, ohne durcheinander zu kommen.

Als Appetitanreger sind am Ende der Fahrtenbeschreibung noch einige Fotos von unseren Befahrungen zu sehen. Im Internet kursieren zahlreiche Videos auf u.a. auf Youtube.

Zum Schluß habe ich jedoch noch einen wichtigen Gefahrenhinweis:

Der Hiwi-Bach ist nicht für Anfänger geeignet oder für Leute, die dort das Boofen erst noch lernen möchten. Es gab dort schon schwere und auch tödliche Kajakunfälle. Der letzte tödliche Unfall war erst im Juni diesen Jahres (siehe Google „ Hinterwildalpenbach Unfall“).

Man darf das Gefahrenpotential des Hiwibaches also keinesfalls unterschätzen.

Nun hoffe ich, dass ich mit diesem Artikel einige Geheimnisse des sagenhaften Hiwibaches lüften und einige weitere Vereinsmitglieder anregen konnte, den Hiwibach auch mal vom Flußbett aus zu erleben.

Für Rückfragen stehe ich euch natürlich auch gerne zur Verfügung.

Euer Vereinskamerad Gunter Schmitt

Grüner Steg

Bild 1: Grüner Steg

Treppenhaus

Bild 2: Trio im Treppenhaus

Treppenhaus2

Bild 3: Boof im Treppenhaus

Fischtreppe1

Bild 4: Höchste Stufe mit Fischtreppe, Ansicht von der Strasse

Fischtreppe2

Bild 5: Höchste Stufe mit Fischtreppe, Ansicht vom Kehrwasser aus

Unterer Abschnitt

Bild 6: Unterer Abschnitt, Zielgerade unterhalb der Strassenbrücke

 

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